Kurz-Weile in Form & Funktion

Wenn traditionelles Bäckerhandwerk und innovative Architektur auf einen Kaffee gehen, kann das spannend werden. Entspannend ebenfalls. So geschehen 2016 im Kurz’schen Stammhaus an der Ischgler Dorfstraße. Wie haben Sie das gemacht, Herr Architekt?

Das Hauptgeschäft mit integriertem Café im Erdgeschoß der Bäckerei Konditorei Kurz war schon in die Jahre gekommen, der Platz beengt, der Charme… naja. Also fassten die Chefleut’ Hannes & Sandra ein Herz und im Winter 2015 den Entschluss für den kompletten Umbau samt Erweiterung dank frei gewordener Geschäftsflächen im Haus.

Ein Architekt, und zwar ein guter, musste her: Wolfgang Juen von ventira architekten (Bild) in Kooperation mit der Firma Schweitzer Ladenbau.

Mission…

Dem gebürtigen Kappler Architekten Wolfgang Juen mit Firmensitz im schweizerischen Diepoldsau legen die Unternehmer kurz & bündig klar, was sie wollen: ein modernes Ladengeschäft mit integriertem Café, einen stylish-gemütlichen Treffpunkt mit Zonen, Nischen und Rückzugsbereichen, trotzdem übersichtlich. Einen Ort zum Entspannen und Genießen – in Gesellschaft oder allein. Modern, reduziert, ruhig, aber nicht langweilig. Juen legt los und pendelt im Frühjahr/Sommer 2016 oft zwischen langen Büro-Stunden und Kurz-Besuchen, bis das ausgereifte Konzept in enger Zusammenarbeit mit der Firma Schweitzer Ladenbau umgesetzt ist.

... ERFÜLLT

„Gute Arbeit!“ möchte man dem Architekten entgegenrufen, als er für ein gestalterisches Aufklärungsgespräch das nagelneue Café betritt, einmal in die Runde grüßt und sich auf einem der eichenhölzernen Design-Stühle von Thonet niederlässt. Ein schweizer Popsender dudelt ohne Moderationsgefasel angenehm aus den versteckten Lautsprechern im Hintergrund, leises Gemurmel der Nebentische, ab und an klappern Löffel oder Tassen, es duftet nach frischem Brot und Kaffee, wie er sein soll. Wolfgang bestellt ein Bäcker-Frühstück und fühlt sich zu Hause. „Es war eine enge und fruchtbare Zusammenarbeit mit den Bauherrn,“ stellt er gleich klar, und erzählt zuerst von der Hülle, dann von der Fülle…

Offen und doch für sich

„Die Besucher sollen nie das Gefühl haben, von außen beobachtet zu werden. Also haben wir eine erkerartige Fassadenkomposition entwickelt, die sich dem gekrümmten Straßenverlauf anpasst und trotzdem von jedem Punkt des Innenraums aus den Blick auf die belebte Dorfstraße erlaubt“, deutet der Architekt mit sanfter Handbewegung. Als Material der Wahl für die homogene Fassadengestaltung entschied man sich für hochwertiges Kupferblech, das mit seinen gefalzten und gelöteten Metallbahnen und brünierter Patina die handwerkliche Brücke zum Bäcker schlägt.

HOLZ, STEIN & LODEN SPRICHT

Innen regieren natürliche Materialien: Man steht solide auf gebrochenem schwarzen Granit, während man sich in Richtung der Massivholzdecke aus unbehandelten Eichenriemen streckt. Stylishe schwarze Lampen hängen von ihr ab. Poppiges Grün harmoniert mit dunklem Braun bei der Stoffauswahl, die auf echten Loden fiel. Auf Eiche gebürstet wird serviert, an den formvollendeten Tischen ebenso wie an der Verkaufstheke. Glas, MDF und ein wenig Edelstahl komplettieren den reduzierten Materialmix, der sich durch den gesamten
L-förmigen Raum zieht, von der öffentlicheren Fassadenfront bis zum privateren „Stubenbereich“ im hinteren Teil. Überraschung auf der Toilette: schwarzen Rasenteppich an der Decke hat nicht jeder. Die technische Ausstattung des gesamten Ensembles ist state-of-the-art, versteht sich. Von der Lüftung über die Klimaanlage bis zur fein abgestimmten LED-Lichtplanung.

Ein Text ...

Kurz: ein zukunftsweisendes Konzept und ein stimmiger Rahmen für weitere Generationen, die das Bäckerhandwerk hoch halten.

Wolfgang Juen

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