Gesprächsrunde am Berg

Regionalität, die (sich) abhebt

Die Silvrettaseilbahn AG ist der Wirtschaftsmotor für die gesamte Region. Mit einem in der Firmen-DNA verankerten Bekenntnis zu Regionalität und Nachhaltigkeit gelingt dem Unternehmen der Spagat zwischen Massen- und Qualitätstourismus. Auch und vor allem in der gehobenen Berg-Gastronomie. Ein Gespräch auf der Idalp mit dem Zweier-Vorstand Markus Walser/Günther Zangerl sowie Gastronomieleiter Harald Seidler über die vielen Gesichter von Regionalität, Loyalität, Werte & Wertschöpfung.

DI Markus Walser, aus Ischgl, seit 2006 Vorstand der Silvrettaseilbahn AG, seit 2001 im Unternehmen.

Gemeinsam im Aufwärtstrend

Seit 1963 bringt die Silvrettaseilbahn AG mit Sitz in Ischgl den Winter- und Sommertourismus in der Silvretta Arena in die Höhe. Heute befördern 45 hochmoderne Seilbahnanlagen 24 Millionen Fahrgäste jährlich in der Wintersaison bei 2 Millionen Ersteintritten und täglich bis zu 24.000 Besuchern. Knapp 78 Millionen Euro setzte das Unternehmen im Jahr 2017 um, Gewinne werden ausschließlich reinvestiert. Das ist nur aufgrund einer speziellen Aktionärsstruktur möglich, die an sich schon Regionalität in Reinform ist.

Markus Walser  Unsere Hauptaktionäre sind die Gemeinde Ischgl, der Talverband mit seinen vier Gemeinden und der Verein der Ischgler Tourismusunternehmen. Die restlichen Aktien halten ca. 250 großteils einheimische UnternehmerInnen aller Sparten. Es besteht seit jeher der Konsens, dass keine Dividenden ausgeschüttet, sondern die Gewinne in den Ausbau der Infrastruktur investiert werden. Nach dem Motto: „So haben wir alle etwas davon.“

Günther Zangerl  Wir stehen als Aktiengesellschaft natürlich in einem gewissen Spannungsverhältnis und müssen unsere Überzeugung für Nachhaltigkeit und Regionalität gegenüber unseren Aktionären rechtfertigen. Wo immer es geht und betriebswirtschaftlich vertretbar ist, kommen bei Auftragsvergaben Anbieter aus dem Tal, aus der Region zum Zug. Wir schauen nicht nur auf den Preis, sondern vor allem auf die Leistung und das entsprechende Verhältnis aus beidem. Man kann daher sagen, wir entscheiden nach dem Bestbieterprinzip im Wortsinn.

Harald Seidler  Natürlich kontrollieren wir gerade in der Gastronomie die Qualität, vergleichen auch, schauen uns weitere Anbieter an. Doch es zählt nicht nur die monetäre Komponente. Wegen ein paar Euro verzichten wir nicht auf die Win-Win-Situation, die sich durch das Vertrauen auf einen lokalen Partner ergibt.

Dipl. ing. Markus Walser

Position im Unternehmen

» Als regionaler Arbeitgeber schauen wir darauf, dass die Leute aus der Region in der Region attraktive, sichere Ganzjahres-Jobs  haben. Regionalität im Denken und Handeln führt zu regionaler Wertschöpfung, von der letztlich alle etwas haben. «

Mehr als die Summe

Das Management der Silvrettaseilbahn AG agiert also nicht wie ein großer Konzern, sondern auf Augenhöhe mit der (Tourismus-)Wirt-schaft im Tal. Es zählen nicht nur die Hard Facts in Form betriebs-wirtschaftlicher Kennzahlen und Hard Skills der Auftragnehmer bzw. Partnerbetriebe, sondern auch und vor allem die Soft Skills.

Günther Zangerl  Wir brauchen Partner und Lieferanten, die auch in der Not schnell und unkompliziert helfen können, die loyal sind und schnellen Support garantieren, wenn’s irgendwo „klemmt“. Das fällt klarerweise mit regionalen Partnern, wo man sich kennt und schätzt, viel leichter.

Harald Seidler  Nehmen wir die Bäckerei Kurz als Beispiel: Da geht es in erster Linie schon um die hohe Qualität des Brotes, die Logistik und die permanente Liefersicherheit. Aber wir können uns eben auch zu 100 % darauf verlassen, dass Hannes Kurz und sein Team im Notfall Tag und Nacht für uns da sind, obwohl sich unsere Betriebe nicht gerade 100 Meter neben der Bäckerei befinden. 

Das hat sich in der Vergangenheit schon vielfach gezeigt, gerade in Extremsituationen. Wir treffen uns außerdem regelmäßig zum Zwecke der Qualitätssicherung, entwickeln gemeinsam Strategien und halten persönlichen Kontakt. Das alles unterscheidet einen regionalen Lieferanten positiv von einem Bäckerei-Großkonzern oder einer Backwarenfabrik mit Sitz irgendwo in Österreich.

Nachhaltigkeit schmeckt 

Apropos Genussvielfalt: Die Silvrettaseilbahn AG pflegt in ihren 7 Betrieben mit 12 Restaurants im Skigebiet Ischgl mit gesamt 5.780 Sitzplätzen Gastronomie auf sprichwörtlich höchstem Niveau. Auf regionale Herkunft der Lebensmittel legt das Unternehmen sehr viel Wert. Dieses Bekenntnis zu Regionalität sichert nicht nur heimischen Produzenten, sondern auch einer zukunftsfähigen Berg-Landwirtschaft die wirtschaftliche Basis.

Harald Seidler  Die Seilbahn ist seit 1997 größter Abnehmer von Fleisch und Metzgereiwaren der heimischen Viehzüchter. Wir bezahlen auch die Schlachtgebühren und bekommen vom Metzger die fertig kommissionierte Ware. Milch, Butter, Joghurt, etc. bekommen wir von heimischen Produzenten, ebenso natürlich Käse von Paznauner Sennereien und Käse-Affineuren aus der Genussregion Paznauner Almkäse. Weiters Honig von Paznauner Imkern und diverse Edelbrandsorten regionaler Schnapsbrennereien.

Markus Walser  Ich denke, es sagt viel aus, dass wir immer noch gleich viele Bauern wie in den 1960er-Jahren haben. Ein Bauernsterben ist bei uns ausgeblieben, und zwar nicht trotz, sondern gerade wegen der Seilbahn. Das Skigebiet hat im Sommer groß angelegte Weide- und Kulturflächen geschaffen und deren Pflege ist uns ein großes Anliegen. Nicht umsonst wurden in letzten 15 Jahren vier modernste Alp-Gebäude im Skigebiet errichtet. Diese sind heute mit mehr Weidevieh bestoßen als noch vor dem Bau der Seilbahn. Die Almen sind nicht nur Fassade, sondern gelebte Berg-Landwirtschaft. 

Günther Zangerl  Der Verbund aus Seilbahn- und Landwirtschaft funktioniert. Gäste erleben bei uns eine Berglandschaft und funktionierende Wirtschaft mit entsprechender Infrastruktur sowohl bei den Beherbergungsbetrieben, in der Gastronomie am Berg und im Tal sowie bei den Beförderungsanlagen. In Summe sind damit die wesentlichen Qualitätsansprüche des heutigen Gastes erfüllt.

Arbeit mit Zukunft

In Spitzenzeiten arbeiten bis zu 550 Menschen bei der Silvrettaseilbahn AG, 125 Leute finden ganzjährig einen sicheren Arbeitsplatz. Damit ist die Seilbahn der größte Arbeitgeber im Tal und sichert vielen heimischen Familien Einkommen und Lebensgrundlage im Tal. Dennoch: Der Facharbeitermangel gilt auch in dieser Branche als größte Herausforderung unserer Zeit.

Harald Seidler  Um die hohen Standards halten zu können, brauchen wir gute, loyale, langjährige Mitarbeiter, die sich mit dem Unternehmen identifizieren. Man muss sich einmal vorstellen: Wir legen einen „Raketenstart“ in die Wintersaison hin. An den ersten Skitagen haben wir täglich bereits um die 15.000 Gäste. In den 12 Restaurants arbeiten 85 Köche und insgesamt 255 MitarbeiterInnen, davon zum Glück rund 70 Prozent Stammpersonal. Da darf niemand schlafen. Der Gast will schnellstmöglich zufriedengestellt werden. Gute Mitarbeiter sind unser größter Erfolgsfaktor.

Markus Walser  Als regionaler Arbeitgeber schauen wir darauf, dass die Leute aus der Region in der Region attraktive, sichere Ganzjahres-Jobs haben. So bleibt auch die Wertschöpfung im Tal. Gerade im Sommer erbringen wir in der Instandhaltung und im Ausbau sehr viel Eigenleistung und können unsere Mitarbeiter ganzjährig einsetzen. Wir übernehmen am Berg und im Tal viele infrastrukturelle Aufgaben, die andernorts von der Kommune geleistet werden. Eine große Herausforderung ist deshalb auch bei uns der Facharbeitermangel. Die Anlagen sind technisch hochkomplex, da brauchen wir Betriebsleiter, Maschinisten, Facharbeiter, die bestens ausgebildet und bereit für lebenslanges Lernen sind.

Günther Zangerl  Deshalb haben wir mit unserer Qualifizierungsoffensive ein Programm gestartet, das Ausbildungen forciert und die Basis schafft für weitere Karrieremöglichkeiten. Zudem gewähren wir unseren MitarbeiterInnen attraktive Sozialleistungen. Wir bemühen uns sehr um Arbeitnehmer aus der Region, denen wir eine nachhaltige berufliche Perspektive im Tal bieten wollen.

Firmenphilosophie:
Mehrwert(schöpfung)

Nachhaltige berufliche und wirtschaftliche Perspektiven für alle Menschen im Tal: Die Silvrettaseilbahn AG lebt diesen Gedanken im Schulterschluss mit ihren Partnern, Lieferanten, Arbeitnehmern und – Kunden. Denn Gäste suchen und schätzen mehr denn je einen „Charakter“ ihrer Urlaubsregion. Und der wird nur spürbar, wenn traditionelle Werte und innovative Konzepte von den „Gastgebern“, also allen im und für den Tourismus tätigen UnternehmerInnen, gemeinsam getragen werden. Regionalität im Denken und Handeln führt zu regionaler Wertschöpfung. Und davon haben
dann wirklich alle etwas.

mehr geschichten
Akzeptieren
Mehr Infos
Diese Seite verwendet Cookies.